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Spender*innen-Info 1/2014: In Zeiten wie diesen

oder: Warum wir keine Umstrukturierung brauchen

Auf in die Vergangenheit …

Erinnern Sie sich noch an den Jahr-2000-Bug? Am Ende des letzten Milleniums wurde uns monatelang versichert, dass unsere Computersysteme die Umstellung auf die 00 nicht verkraften würden. Alles würde stillstehen, wir würden quasi in die Steinzeit zurückversetzt werden. Während manche Konservendosen in ihren Luftschutzbunkern horteten, verdienten andere Millionen mit angeblichen Schutzsystemen. Dann schlug die Uhr zwölf … und nichts passierte.

Erinnern Sie sich noch an die Verwaltungsnovelle 2012? Am Ende des letzten Jahres wurde uns monatelang versichert, dass das neu eingerichtete Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl das Asylwesen revolutionieren würde. Kompetenzen würden konzentriert, Verfahren würden effizienter gestaltet und sowieso alles würde viel schneller durchgeführt werden. Während manche dieses angebliche Schutzsystem skeptisch betrachteten, verdienten andere viel Geld mit bunten Informationsbroschüren. Dann schlug die Uhr zwölf … und nichts passierte.

Doch diesmal stand wirklich alles still. Notwendige Büros waren noch nicht angemietet, Personal noch nicht eingestellt und Computersysteme noch nicht eingerichtet worden. Monatelang konnten Asylbehörden weder Einvernahmen durchführen, noch Entscheidungen treffen. Ja, es war nicht einmal möglich, Personalausweise und Reisepässe auszustellen.


Gute Zeiten, schlechte Zeiten …

Schlechtes Timing für das Stillstehen des fremdenrechtlichen Uhrwerks. Auf dem bisherigen Höhenpunkt der Syrienkrise konnte über Asylanträge von Flüchtlingen aus dieser Region nicht mehr entschieden werden. Ebensowenig war es diesen Personen möglich, ihre Familien aus dem Kriegsgebiet in Sicherheit zu bringen.

Eine Verschnaufpause hatten hingegen jene, die bereits in der Mühle des Abschiebegetriebes stecken. Die Zahlen der Schubhaften und Abschiebungen sanken in den letzten Monaten auf einen historischen Tiefstand.

Dies offenbart so manch skurrilen Anachronismus. Das völlig neugestaltete Schubhaftzentrum in Vordernberg steht leer. Wer dessen Belegungszahlen betrachtet, möchte glauben, es stehe kurz vor der Schließung. Das wirklich in die Jahre gekommene Aufnahmelager Traiskirchen hingegen ist voller als je zuvor. Vielleicht wäre es ja zeitgemäßer, in die Aufnahme statt in die Abschiebung von Flüchtlingen zu investieren? Doch der Zahn der Zeit beißt lieber an anderer Stelle zu.


Zurück in die Zukunft …

Lassen wir uns vom Zeitsprung der Asylbehörden jedoch nicht täuschen. Hinter den blockierten Zeigern und Rädern steckt ein Uhrwerk voller fremdenrechtlicher Gemeinheiten. Dies wartet nur darauf, in Gang zu kommen.

Dann sind Flüchtlinge wiederum dem Generalverdacht von Betrug und Kriminalität unterworfen. Müssen sich in regelmäßigen Abständen bei Polizeistationen melden, werden in Quartieren untergebracht, die jeglicher Menschwürde widersprechen, und sind mit Mitteln ausgestattet, die weder Aktivität noch Mobilität erlauben. Dann werden ihre Anträge auf Schutz erneut mit fadenscheinigen Begründungen abgelehnt und sie in Kriegs- und Krisengebiete abgeschoben.


Zeitlos …

Unbeeindruckt von behördlichem Winterschlaf und Sommerloch, von Zeitsprüngen und Anachronismen führt die Deserteurs- und Flüchtlingsberatung ihre Beratungstätigkeit weiter fort. Seit mehr als 20 Jahren beraten wir Flüchtlinge in ihren Asylverfahren, in Schubhaft und vor der Abschiebung. Seit jeher erfolgt unsere Beratung unabhängig und kostenlos. Von Anfang an stehen wir rein auf der Seite der Menschen, die unsere Beratung suchen. Immer noch erfolgt unsere Arbeit unentgeltlich.
Und keine Sorge: Wir haben keine Pläne, uns umzustrukturieren, um unsere Beratung effizienter zu machen, um mit der Zeit zu gehen, um Kompetenzen zu bündeln. Dies geschieht laufend und benötigt keinen Systemausfall.

Doch Zeit frisst Geld. Auch wir müssen die Miete unseres Büros, den Papierhunger unseres Kopierers, das Telefon und Internet usw. zahlen. Und dabei benötigen wir Hilfe. Es wäre also Zeit, uns zu unterstützen, ob mit Einmal-Spenden, Daueraufträgen, Veranstalten von Soli-Parties oder sonstigen (un)zeitgemäßen Mitteln.
Mit Ihrer Spende leisten Sie einen wesentlichen Beitrag zum Fortbestehen der Beratungsstelle.
Daueraufträge ermöglichen uns eine bessere Kalkulation unserer Ausgaben:
IBAN: AT63 1400 0010 1081 3332
BIC: BAWAATWW

Nehmen Sie sich also ruhig Zeit und Muße, um sich die beste Unterstützungsform auszusuchen. Wir verwenden unsere in der Zwischenzeit dafür, Flüchtlinge zu unterstützen.

Danke


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