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Jahresbericht 2000

1.Überblick:

Der vorliegende Bericht schildert die Tätigkeit der Deserteurs- und Flüchtlingsberatung im Jahr 2000. Wo immer ein "mehr" oder "weniger" dargestellt wird, bezieht sich dieses auf einen Vergleich der Erfahrungen oder Fallzahlen mit jenen des Jahres 1999. Bei der Beschreibung, welche Problemlagen uns besonders oft begegneten - den "Trends" in der Beratung – handelt es sich zwar um subjektive Beobachtungen, die aber, wie in zahlreichen Vernetzungstreffen festgestellt, den Erfahrungen anderer Beratungstellen durchaus gleichen.

Unter Punkt 4 werden die Tätigkeitsfelder ausserhalb der rechtlichen und sozialen Beratung dargestellt. Die Entwicklung in diesem Bereich ist besonders erfreulich, denn der Verein konnte dieses Jahr in mehreren Projekten, vor allem im Schulungsbereich, mitwirken, bzw. Projekte abseits der Beratung selbst initiieren.

Die abschließende Falldarstellung wurde nach dem Kriterium ausgewählt, einige der für das Jahr 2000 charakteristischen Problemkonstellationen illustrieren zu können.

2. Das Jahr 2000 in Zahlen – Statistik der Beratungskontakte

Die Deserteurs- und Flüchtlingsberatung verzeichnete im Jahr 2000 insgesamt 1023 Beratungskontakte. In diese Zahl gehen persönliche und telefonische Beratungen ein. Nicht mitgerechnet sind zahlreiche Telefonate "zwischendurch".

Wie bereits in den Jahren zuvor gehen wir von einem Beratungskonzept aus, dessen Ziel es ist, den KlientInnen die möglichen Optionen und Grenzen verständlich zu machen. Dies beinhaltet eine genaue Darstellung der Situation und eine Zusammenfassung - in einigen Fällen auch wortwörtliche Übersetzung - der Bescheide. Die Vorbereitung von UBAS- oder gerichtlichen Verhandlungen zählt ebenso dazu wie - bei Bedarf - die Begleitung zu diesen und anderen Behörden.

Herkunftsländer:

Bezüglich der Herkunftsländer steht weiterhin das Gebiet Ex-Jugoslawiens im Vordergrund, aus dem insgesamt 58% der KlientInnen kommen, wenn auch vor allem der Prozentsatz der Beratungen mit Kosovo-Flüchtlingen mit 38% deutlich niedriger liegt als im Vorjahr (52%).

Eine auffällige Steigerung zeigt sich bei KlientInnen aus dem afrikanischen Raum. Ihr Anteil ist von 18 auf 30% gestiegen. Den Grund dafür sehen wir vor allem in den Entwicklungen nach den Razzien in Unterkünften von vorwiegend sehr jungen afrikanischen Flüchtlingen, von denen viele obdachlos wurden bzw. neu Ankommenden weniger Unterkunftsmöglichkeiten angeboten werden.


Herkunftsländer  
Kosovo
 295
BR Jugoslawien  151
Nigeria  115
Sierra Leone   64
Afrika
diverse andere Staaten
  64
Nordirak
  31
Asien diverse   26
staatenlos   16
Montenegro   12
Ghana   11
GUS diverse     8
Albanien     7
Bosnien
    3



Alter und Geschlecht

Weiter gestiegen ist die Zahl der 20 bis 30 jährigen (von 61 auf 74%). Auch hier spielt wiederum der zunehmende Beratungsbedarf der zumeist sehr jungen afrikanischen KlientInnen eine Rolle.

Unbegleitete Minderjährige machen etwa 11% der KlientInnen aus – etwas weniger als im Vorjahr (15%). Ihre Betreuung ist aber, wie im abschliessenden Fallbeispiel dargestellt mit besonderem Aufwand, insbesondere Vermittlungstätigkeit zwischen verschiedenen Behörden verbunden.

  Alter  
  ohne Angabe    11
  0 - 10 Jahre      9
 10-20 Jahre  110
 20-30 Jahre  761
 30-40 Jahre  110
 40-  Jahre    22



Geschlecht  
Männer  770
Frauen
 253



Problemlagen:

Von den 1023 Kontakten konnten 862 inhaltlich zugeordnet werden. Bei den übrigen Kontakten handelt es sich um Behördenbegleitungen und inhaltlich nicht zugeordneten Kontakten, z.B. Fragen bzw. Auskunft über den Verfahrensstand, Übersetzung von Bescheiden. Wie bisher ist die Begleitung im Asylverfahren der Schwerpunkt der Beratung. Erfreulicherweise ist gegenüber dem Vorjahr ist der Anteil an Beratungen, in denen es um konkrete Integrationsperspektiven wie Niederlassungsbewilligungen, ging, von insgesamt 68 diesbezüglichen Kontakten auf 103 gestiegen.

Problemlagen

Asylverfahren
inkl. VwGh Beschwerden
249
Soziales
Persönliche Kontakte, Vermittlung Deutschkurse, medizinische, psychothera-peutische Behandlung, Beratung für Arbeits-suche (AuslBG/selbsständige Tätigkeit), Kontakt mit Dienstgebern, Obdachlosigkeit, Beschaffung Wohnungseinrichtung
230
Allgemeine Beratung
Grundlegende Darstellung der Aufenthalts-und Integrationsmöglichkeiten, Strafrecht, Melderecht
228
Integration
Staatsbürgerschaft, Niederlassungsbewilligung Verlängerung, Ehegemeinschaft mit ÖsterreicherIn
103
Aufenthaltsbeendigende Massnahmen
Strafe wegen illegalen Aufenthalts, Ausweisung, Aufenthaltsverbot, Schubhaft
52


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