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Jahresbericht 2001

1. Überblick

Im Jahr 2001 konnte Rechts- und Sozialberatung sowie Behördenbegleitung in der gewohnten Intensität angeboten werden. Die Beratungsstelle ist an vier Tagen der Woche für mindestens fünf Stunden geöffnet (Kernzeiten 10 - 15h). An jedem dieser Tage ist das Büro von ein oder zwei BeraterInnen besetzt. Mittwoch abends findet die offene Beratung -d.h. ohne Voranmeldung - statt. An diesem Tag stehen alle BeraterInnen zur Verfügung und es werden im Anschluss problematische Fälle im Team besprochen. Insgesamt können drei bis vier Mitarbeiterinnen auf der Basis von Werkverträgen oder eines freien Dienstvertrages bezahlt werden. Weitere sieben engagieren sich ehrenamtlich - in der Beratung, Schulung oder Administration.


2. Statistik der Beratungskontakte

Insgesamt wurde 923 persönliche Beratungskontakte erfasst, telefonische Beratungen sind darin nicht miteinbezogen. Für die Statistik dokumentiert werden Herkunftsland, Geschlecht und Alter der KlientInnen sowie - soweit diese eingrenzbar ist - die Problemlage, während der sie die Beratungsstelle aufsuchen und was seitens der BeraterInnen unternommen wurde.
Die Auswertung diese Daten ermöglicht einen Vergleich mit denen des Vorjahres und damit eine Skizzierung der Beratungsschwerpunkte 2001.


· Herkunftsländer

Wie im Vorjahr sind die drei wichtigsten Herkunftsgebiete Kosovo, Nigeria, und Bundesrepublik Jugoslawien.
Die Zahl von KlientInnen aus dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens ist rückläufig, neu eingebrachte Asylanträge sind praktisch aussichtslos, allerdings sind noch zahlreiche in den vergangenen Jahren eingereiste KlientInnen zu betreuen.
Die Anzahl von KlientInnen aus afrikanischen Herkunftsländern steigt hingegen weiterhin und beträgt nun fast40% der gesamten KlientInnen. Die Zahl afrikanischer Flüchtlinge ist erstmals größer als der Anteil derer aus dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens.


Herkunftsland absolut   
Prozent   Herkunftsland absolut Prozent
Nigeria 69 7,5   Kosovo 176 19
Sierra Leone 60 6,5    Jugoslawien 63 6,8
Kamerun 46 5,0   Mazedonien 51 5,5
Afrika div. Staaten 190 20,6   Bosnien 43 4,6
Afrikanische Staaten
insgesamt
365 39,5   Nachfolgest.
Jugoslawien insgesamt
333
35,9


Der Zugang zur Beratung erfolgt vor allem durch "Mundproaganda"der KlientInnen untereinander. Die größtenteils sehr jungen Klientinnen nützen gerne das Angebot auch ohne akutes Problem "vorbeizuschauen" sowie die einmal pro Woche angebotene Deutsch-Konversationsgruppe.
Völlig neu ist die Gruppe mazedonischer KlientInnen, von denen derzeit die meisten noch im Asylverfahren sind.

· Alter und Geschlecht

Die bei weitem überwiegende Mehrheit der Klientinnen sind alleinstehende junge Männer. Kinder werden nicht in die Statistik einbezogen, die unter 19jährigen machten im Jahr 2001 rund 12 Prozent aller KlientInnen aus und sind somit gleich stark wie im vorigen Jahr vertreten. Besonders stark sind in dieser Zahl die "gerade 18 jährigen" vertreten, die aufgrund der Senkung der Volljährigkeitsgrenze aus der Betreuung der MA 11 entlassen wurden.




· Problemlagen:

Praktisch alle KlientInnen kamen als Flüchtlinge nach Österreich. Demzufolge stehen Asylverfahren an erster Stelle der Beratungsschwerpunkte. Vor allem die bereits länger in Österreich lebenden KlientInnen stellen die Beraterin/den Berater vor sehr komplexe Problemlagen. In diesen Fällen wurde jeweils das für das jeweilige Beratungsgespräch aktuellste Verfahren/Problem für die Statistik gezählt.

Problemlage Beschreibung absolut Prozent
Asylverfahren inkl. VwGh Beschwerden 312 33,8
Aufenthaltsbeendende Maßnahmen

Strafe wegen "illegalen Aufenthalts", Ausweisung, Aufenthaltsverbot, Schubhaft 115 12,5
Integration Staatsbürgerschaft, Niederlassungsbewilligung Verlängerung, Ehegemeinschaft mit ÖsterreicherIn 110 12
Allgemein
Grundlegende Information über Aufenthalts-und Integrationsmöglichkeiten, Strafrecht, Melderecht; bzw Beratungen. die nicht den Klienten selbst, sondern Freunde, Verwandte etc betreffen. 160 17
Soziales
Persönliche Kontakte, Vermittlung Deutschkurse, medizinische, psychotherapeutische Behandlung, Obdachlosigkeit 134 14,5
Strafprozeß
z.B. Ladendiebstahl 54 6
Arbeit Beratung für Arbeitssuche (AuslBG/selbsständige Tätigkeit), Kontakt mit Dienstgebern, Interventionen bei AMS 38 4

 

· Interventionen

Unter diesem Titel wird in fünf wesentlichen Kategorien zusammengefasst, welche Aktivitäten von den BeraterInnen in den einzelnen Fällen gesetzt wurden. Ein Beratungsgespräch findet in jedem Fall statt. Die untenstehende Kategorie umfasst nur Beratungen ohne daran anschließende weitere Schritte.

Interventionsform Aktion absolut Prozent
Beratung
Erklären der rechtlichen Möglichkeiten (für sich selbst oder Verwandte) etc., vgl. Kategorie "Allgemein" 250 27,1
Intervention, Recherche Telefonate mit Behörden, Akteneinsicht, Recherche von Länderdokumentationen 238 25,8
Rechtsmittel und Anträge
schriftliche Eingaben 142
15,4
Behördenbegleitung

inkl. AnwältInnen, Gerichtsverhandlung, Schubhaftbesuche 62 6,7
Organisatorisches vgl. Kategorie "Soziales" weiter oben: Vermitteln/Organisieren von Kursen, med. Behandlung etc. 126 13,7
nicht erfasst
  105 11,4

 


3. Schwerpunkte 2001

Festzustellen ist eine Tendenz zu "Intensivbetreuungen": Klienten, die über lange Zeit hinweg mindestens einmal pro Woche kommen, teils zur Beratung, darüberhinaus aber auch zum Deutschkurs und auch ohne bestimmten Anlass. Dies entspricht durchaus unserem Verständnis als eine Beratungsstelle, die auch eine soziale Funktion für heimatlos Gewordene haben kann.
Zentrale Schwerpunkte des heurigen Jahres waren Mazedonien und die Auswirkungen der Senkung der Volljährigkeitsgrenze, die hier kurz beschrieben werden. Generell ist aus der Statistik der Trend zu mehr Flüchtlingen aus Afrika und einer Abnahme der Flüchtlinge aus dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens festzustellen. Es steht bei dieser neuen Gruppe nicht explizit Desertion als Fluchtmotiv im Vordergrund, fast immer jedoch eine Bürgerkriegssituation bzw. ethnische Konflikte.

· Mazedonien:
Ab dem Frühjahr 2001 kamen vermehrt mazedonische AlbanerInnen zur Beratung, die vor den Konfikten in Mazedonien geflohen sind. Mithilfe des albanischsprachigen Mitarbeiters wurden Asylanträge gestellt. Weiters waren für die Neuankömmlinge sehr viele Behördenbegleitungen notwendig. Derzeit ist über die meisten Anträge noch nicht rechtskräftig entschieden. Die Unterbringungsfrage konnte meist über Verwandte geregelt werden.

· Volljährigkeitsgrenze: Im August wurde die Volljährigkeitsgrenze von 19 auf 18 Jahre gesenkt. Diese Änderung zieht aus unserer Sicht enorme Belastungen für die NGO´s nach sich: Seither fallen zahlreiche bis dato als jugendlich definierte Asylwerber nicht mehr unter die Zuständigkeit der MA 11, verlieren damit Unterkunft und Betreuung. Seither werden 18jährige von engagierten MitarbeiterInnen der MA 11, die nichts mehr für ihre KlientInnen tun können, an uns verwiesen. In diesen Fällen übernehmen wir die Weiterbetreuung im Asylverfahren und helfen bei der Unterkunftsuche. Weiters bemühen wir uns um den Aufbau eines soliden Kontakts zur Beratungsstelle, um Kursangebote und Tagesstrukturierungsmöglichkeiten


4. Weitere Aktivitäten

· Fremdenrechtslehrgang

Der im Jahr 2000 noch informell - vorwiegend für neue MitarbeiterInnen - angebotene Lehrgang wurde im vergangenen Jahr erstmals öffentlich zugänglich gemacht. Wie bereits an den WIF berichtet, werden wir die beantragte und gewährte finanzielle Unterstützung des WIF nicht in Anspruch nehmen müssen. Die Gründe dafür sind, erstens, dass die Leistung der Vortragenden ehrenamtlich angeboten wurde und zweitens, dass durch die Entscheidung, einen Selbstbehalt von allen TeilnehmerInnen einzuheben, Einnahmen entstanden sind, die im Antrag noch nicht berücksichtigt wurden. Der erste Lehrgang (8. bis 28. Mai) wurde von TeilnehmerInnen besucht, der zweite Lehrgang ( 2.10. - 25.10.) von 21 Personen.
Aufgrund der großen Nachfrage wurden zwei weitere Blockveranstaltungen im September und November durchgeführt.
Die Bewertung durch die Teilnehmerinnen, die anonym anhand von Fragebögen am Ende des Lehrgangs durchgeführt wurde, war sehr ermutigend, was sich auch in der regelmäßigen Teilnahme und guten Mitarbeit ausdrückte. Ziel war es, eine praxisbezogene Schulung anzubieten, die sowohl als Sicherung der Kenntnisse der bereits in der Flüchtlingsberatung Tätigen geeignet ist, als auch als Vorbereitung, für Neueinsteigerinnen. Dass dies gelungen ist, bestätigen uns die positiven Rückmeldungen - und die Kompetenz, mit der drei AbsolventInnen der Lehrgänge als neue MitarbeiterInnen der Deserteurs- und Flüchtlingsberatung ihre Tätigkeit begonnen haben.
Die guten Erfahrungen mit dem Fremdenrechtslehrgang veranlassten uns dazu, gemeinsam mit der asylkoordination österreich ein noch weitaus umfassenderes Seminarangebot zu entwerfen und zu organisieren, das uns ohne diese Kooperation administrativ nicht möglich gewesen wäre.


· Konversationskurs Deutsch:
Der Deutschkurs, der bereits öfter probeweise angeboten worden war, hat sich im vergangenen Jahr als kontinuierliches Programm etabliert. Geleitet wird der Kurs ehrenamtlich von einer Germanistikstudentin und einem Germanistikstudenten. Konzipiert ist der Kurs als für alle mit geringen oder gar keinen Deutschkenntnissen offener Konversationskurs. Geübt werden Alltagssituationen, an die kurze Grammatiklektionen angeschlossen werden. Der Kurs wird von etwa 3-6 Personen besucht und bedeutet für diese nicht nur Spracherwerb, sondern auch einen wöchentlichen sozialen Fixpunkt und Beschäftigung

· Wohnprojekt:
Nachdem die Finanzierung eines für Klienten von uns angemietete Zimmer durch Spenden abgedeckt ist, wagten wir uns an die Anmietung eines zweiten Zimmers, das nun an einen 30järigen Asylwerber vergeben ist.
.
· homepage:
Im Sommer 2001 konnte die homepage www.deserteursberatung.at online gehen. Sie enthält neben mehrsprachigen Informationen über Beratungs- und Kursangebote der Deserteurs- und Flüchtlingsberatung auch - umfassende Rechtsinformationen bezüglich Asyl- und Fremdenrecht bzw. weiteren relevanten rechtlichen Bestimmungen (Meldewesen, Staatsbürgerschaft etc..). Geplant ist, nachdem ein Klient Gedichte für die homepage zur Verfügung stellte, diese Präsentationsmöglichkeit auszubauen und eine Plattform für künstlerische Aktivitäten einzurichten. Die Bilder eines Klienten sind bereits online zu besichtigen


5. Graphiken

Die folgenden Graphiken veranschaulichen die unter Punkt 2 dargestellte Statistik in den Kategorien Alter und Problemlagen


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