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Jahresbericht 2002

1. Überblick

Im Jahr 2002 konnten Rechts- und Sozialberatung sowie Behördenbegleitungen in der gewohnten Intensität angeboten werden. Die Beratungsstelle ist an vier Tagen der Woche für mindestens fünf Stunden (innerhalb unserer Kernzeiten 10.00 – 16.00) geöffnet. An jedem dieser Tage ist das Büro von einem/r oder zwei BeraterInnen besetzt. Mittwoch abends findet wie gewohnt die „offene Beratung“ statt. Das heißt die KlientInnen können ohne Terminvereinbarung vorbeikommen. An diesem Abend stehen auch soweit als möglich alle BeraterInnen zur Verfügung. Im Anschluß an die Beratungsstunden werden dann problematische und besonders interessante Fälle im Team besprochen.

Insgesamt können vier bis fünf MitarbeiterInnen auf der Basis von Werkverträgen bzw. freien Dienstverträgen bezahlt werden. Außerdem ist es uns heuer erstmals für einige Monate gelungen, die Arbeit der nur zeitweise anwesenden BeraterInnen durch eine an allen Tagen präsente Mitarbeiterin zu erleichtern. Auf Basis einer Förderung des WAFF konnte eine Mitarbeiterin sechs Monate lang für 17 Wochenstunden beschäftigt werden. Weitere acht MitarbeiterInnen engagieren sich ehrenamtlich – sowohl in der Beratung als auch in der Schulung, Administration und Vereinsorganisation.


2. Statistik der Beratungskontakte

Insgesamt wurden im Jahr 2002 927 persönliche Beratungskontakte erfaßt, telefonische Beratungen sind darin in der Regel nicht miteinbezogen. Für die Statistik dokumentiert werden Herkunftsländer, Geschlecht und Alter der KlientInnen, die Problemlage, während derer die Beratungsstelle aufgesucht wurde, sowie die Aktionen, die seitens der BeraterInnen gesetzt wurden.
Die Auswertung dieser Daten ermöglicht einen Vergleich mit jenen des Vorjahres und damit eine Skizzierung der Beratungsschwerpunkte 2002.


· Herkunftsländer

Ähnlich wie im Jahr 2001 stellten auch im Jahr 2002 die Regionen BR Jugoslawien, Kosovo und Nigeria wichtige Herkunftsgebiete unserer KlientInnen. Die Zahl von KlientInnen aus dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien ist erneut rückläufig. Einzig bei den KlientInnen aus Mazedonien zeigt sich ein stärkerer Anstieg im Vergleich zu 2001. Vor allem bei den KlientInnen aus dem Gebiet Kosovo ist die Zahl im Vergleich zum Vorjahr rapide zurückgegangen (2001: 176 und 2002: 65).

Die Tendenz zu mehr KlientInnen aus afrikanischen Ländern hat sich im Jahr 2002 massiv verstärkt. Der Anteil afrikanischer Flüchtlinge war 2002 nicht nur größer als jener aus dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens, erstmals stellt nun auch ein afrikanisches Land, nämlich Nigeria, das Hauptherkunftsland unserer KlientInnen. Nigeria hat damit die Region Kosovo als Hauptherkunftsland unserer KlientInnen abgelöst.

Aus den Zahlen ist weiters ersichtlich, daß seit neuestem Flüchtlinge aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion, wie Georgien und Ukraine, verstärkt die Angebote unserer Beratungsstelle in Anspruch nehmen. In der Regel handelt es sich dabei um Unterstützung im Asylverfahren sowie in sozialen Fragen und Problemlagen.

Herkunftsland absolut
Prozent
BR Jugoslawien
78 8,4
Kosovo 65 7,0
Kroatien 4 0,4
Mazedonien
82 8,8
Bosnien 11 1,2
insg. 240 25,9


Herkunftsland absolut
Prozent
Nigeria
117 12,6
Sierra Leone 48 5,2
Gambia
37 4,0
Guinea 44 4,7
Kongo
 29  3,1
Rep. Kongo  28  3,0
Angola
 23  2,5
Afrika diverse Staaten  84  9,1
 insg.  410  44,2


Herkunftsland absolut
Prozent
Rußland  29  3,1
Ukraine  18  1,9
Georgien  21  2,3
 insg.  68  7,3



Der Zugang zu unserer Beratungsstelle erfolgt größtenteils durch „Mundpropaganda“ der KlientInnen untereinander bzw. durch Vermittlung anderer Organisationen. Die oft sehr jungen KlientInnen nutzen gerne das Angebot auch ohne dringliches Problem vorbeizuschauen. Vor allem durch unseren Deutschkurs, der mittlerweile zweimal pro Woche abgehalten wird, hat sich der informelle Kontakt zwischen KlientInnen und BeraterInnen intensiviert.

· Alter und Geschlecht

Im letzten Jahr waren 13% unserer KlientInnen Frauen und 87% Männer. Daraus ergibt sich, daß die bei weitem überwiegende Mehrheit der KlientInnen alleinstehende junge Männer waren, denn die Gruppe der 18- bis 29-jährigen stellte im Vorjahr 62% der Gesamtzahl. Die Gruppe der 30- bis 39-jährigen machte 29% aus; nur 4% unserer KlientInnen waren über 40 Jahre alt.

Kinder werden nicht in die Statistik miteinbezogen, doch die knapp unter 18-jährigen machten im Jahr 2002 etwa 5% aller KlientInnen aus. Daraus ergibt sich, daß die Zahl der noch nicht, aber schon beinahe Volljährigen im Vergleich zum Jahr 2001 gesunken ist.


· Problemlagen

Nahezu alle KlientInnen kamen als Flüchtlinge nach Österreich. Demzufolge stehen Asylverfahren an erster Stelle der Beratungsschwerpunkte. Vor allem die bereits seit längerem in Österreich lebenden KlientInnen stellen die BeraterInnen vor sehr komplexe Problemlagen. In diesen Fällen wurde das für das jeweilige Beratungsgespräch aktuellste Verfahren/Problem für die Statistik gezählt.


Problemlage Beschreibung absolut Prozent
Asylverfahren inkl. VwGh Beschwerden 333 37
Aufenthaltsbeendende Maßnahmen

Strafe wegen "illegalen Aufenthalts", Ausweisung, Aufenthaltsverbot, Schubhaft 103 12
Soziales
Persönliche Kontakte, Vermittlung Deutschkurse, medizinische, psychotherapeutische Behandlung, Obdachlosigkeit 184 20
Fragen zu Integration Niederlassungsbewilligung inkl. Verlängerung, Ehegemeinschaft mit ÖsterreicherIn, Staatsbürgerschaft, 131 15
Arbeit Beratung für Arbeitssuche (AuslBG/selbsständige Tätigkeit), Kontakt mit Dienstgebern, Interventionen bei AMS 50 6
Strafprozeß
z.B. Ladendiebstahl 40 5
Desertion

45 5



· Interventionen

Unter diesem Titel wird in sechs wesentlichen Kategorien zusammengefasst, welche Aktivitäten von den BeraterInnen in den einzelnen Fällen gesetzt wurden. Ein Erstgespräch findet in jedem Fall statt.


Interventionsform Aktion absolut Prozent
Rechtsauskunft und Beratung
Erklären der rechtlichen Möglichkeiten (für sich selbst oder Verwandte) etc., vgl. Kategorie "Allgemein" 379
43
Intervention, Recherche Telefonate mit Behörden, Akteneinsicht, Recherche von Länderdokumentationen 207 22
Rechtsmittel und Anträge
schriftliche Eingaben 146
16
Vermittlung anderer Unterstützungsleistungen vgl. Kategorie "Soziales" weiter oben: Vermitteln/ Organisieren von Kursen, med. Behandlung etc. 112 12
nicht erfasst
  33 4
Behördenbegleitung

inkl. AnwältInnen, Gerichtsverhandlung, Schubhaftbesuche 31 3


3. Schwerpunkte 2002

Bezüglich der Herkunftsländer zeigt sich eine starke Fortsetzung des Trends zu mehr KlientInnen aus afrikanischen Ländern, wobei viele von ihnen auf Anraten von Frau Ute Bock, die Wohngemeinschaften für junge Afrikaner eingerichtet hat, bei uns um Beratung und Betreuung nachfragen. Sehr oft handelt es sich bei ihnen um bereits abgelehnte AsylwerberInnen bzw. illegalisierte Menschen, die jedoch aus verschiedensten Gründen nicht in ihre Herkunftsländer zurückkehren können und sich mehr schlecht als recht in Österreich versuchen durchzuschlagen.

Bereits seit dem Jahr 2001 betreuen wir zunehmend weniger KlientInnen aus dem Kosovo und der BR Jugoslawien. Diese Tendenz hat sich auch 2002 fortgesetzt, trotz der im Sommer heftig thematisierten albanischen AsylwerberInnen aus dem Kosovo. Mazedonische AlbanerInnen, die im Zuge des Konflikts in ihrem Herkunftsland in Österreich um Asyl ansuchten, waren auch 2002 sehr zahlreich und benötigten unsere Beratung. Überraschenderweise handelte es sich dabei häufig um Menschen, die erst 2002 einen Asylantrag gestellt haben und deren Verfahren damit noch am Anfang stehen.

Erstaunt haben wir festgestellt, daß entgegen unseren Erwartungen kaum AsylwerberInnen aus Afghanistan in unsere Beratungsstelle gekommen sind. Wie die Graphik „Herkunftsländer“ zeigt, kamen nur etwa 1% unserer KlientInnen im letzten Jahr aus Afghanistan.

Jedoch kümmerten wir uns im Jahr 2002 verstärkt um eine neue KlientInnengruppe, nämlich um Flüchtlinge aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion wie Georgien und der Ukraine, die wir in ihren Asylverfahren unterstützten.

Die Frage der Existenzsicherung von Flüchtlingen war und ist auch in unserer Beratungsstelle eine äußerst dringende. Die Auswirkungen der zunehmend rigideren und unmenschlichen Vorgangsweise im Rahmen der Bundesbetreuung konnten auch wir verstärkt feststellen: Menschen ohne Dach über dem Kopf, mit Plastiksäcken voller Habseligkeiten auf der mühseligen Suche nach Unterkunft, die wir häufig mit wenig Aussicht auf Erfolg in andere Betreuungsstellen weiterschicken mussten. Frau Bock hat sich in dieser Frage wieder einmal als eine unersetzliche Ansprechperson erwiesen, doch das strukturelle Problem wird auch sie nicht lösen können.

Damit in Zusammenhang stehen mehr oder weniger die sich häufenden Probleme mit der Postzustellung wichtiger Briefstücke an KlientInnen. Immer öfter war es notwendig KlientInnen zum Postamt zu begleiten bzw. vorsichtshalber Zustellvollmachten zu übernehmen, um die Wahrnehmung von Rechten und die Einhaltung von wichtigen Fristen garantieren zu können. Ohne feste Zustelladresse ist es für KlientInnen unmöglich, ihre Rechte auszuschöpfen bzw. den ihnen auferlegten Pflichten nachzukommen.


4. Weitere Aktivitäten 2002

· Ausweitung unseres Schulungsprogramms

Der große Erfolg des seit 2001 öffentlich angebotenen Fremdenrechtslehrgangs war für uns die Motivation zur Ausweitung unseres Schulungsprogramms in Kooperation mit der Asylkoordination Österreich. Ziel war es, eine breitere Zielgruppe zu erreichen, Angebote aufeinander abzustimmen und Konkurrenzierung zu vermeiden. Es freut uns, daß das Konzept aufgegangen ist: die Nachfrage war sehr groß und die Seminare wurden sehr zahlreich besucht. Innerhalb unseres Vereins nutzten PraktikantInnen, NeueinsteigerInnen, aber auch erfahrenere BeraterInnen das nun ausgeweitete Schulungsangebot, um ihre Einstiegskompetenz zu verbessern und ihr Wissen aufzufrischen bzw. zu vertiefen.

· Fortsetzung des Wohnprojekts

Erfreulicherweise haben wir es im Jahr 2002 geschafft, die Finanzierung des zweiten Zimmers im Rahmen unseres Wohnprojekts für KlientInnen durch Spenden zu sichern. Das ist auch insofern ein wichtiger Schritt, als die Frage der Unterbringung von Flüchtlingen von Tag zu Tag prekärer wird und viele Menschen überhaupt keine Unterkunft mehr finden.

· Freizeitangebote für KlientInnen

Neben dem Wohnprojekt versuchen wir regelmäßige Freizeit- und Bildungsangebote für KlientInnen zu organisieren, um ihnen die Integration in Österreich zu erleichtern. Der Deutschkurs, der mittlerweile zweimal pro Woche von insgesamt fünf BetreuerInnen durchgeführt wird, hat sich bereits zu einem fixen sozialen Treffpunkt entwickelt, in dem auf Basis von Kommunikation und Konversation die deutsche Sprache unbürokratisch vermittelt werden soll. Die Kurse werden von jeweils etwa 15 – 20 Personen besucht.
Unsere Flüchtlings-Fußballgruppe trifft sich in der Regel wöchentlich nach Absprache. In den Wintermonaten mußte jedoch mangels einer preiswerten Trainingshalle ausgesetzt werden.

· Information und Sensibilisierung

Zur Information bezüglich der Lebens- und Rechtssituation von Flüchtlingen und MigrantInnen nutzen wir immer wieder die Möglichkeit, Falldarstellungen an Medien weiterzuleiten, sowie unsere mehrsprachige homepage, bei der wir uns stets um Aktualisierungen bemühen. Außerdem nutzten wir im Jahr 2002 im Rahmen der Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht“ die Möglichkeit mittels Informationsständen und Diskussionsbeteiligung bei Veranstaltungen zum Thema „Deserteure der Wehrmacht“, auf die Situation von Deserteuren heute aufmerksam zu machen.


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