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Asyl: Verliebt, verlobt und abgeschoben

Durch das neue Asylgesetz müssen etliche ausländische Ehepartner zurück in die Heimat.
Dokumentation eines Artikel von Christine Lugmayer, erschienen in: Die Presse am 18.03.2006

WIEN. Im Dezember 2005 haben Julia (22) und Jakob (27) M.* in Wien geheiratet. So weit eigentlich nichts Außergewöhnliches. Doch Jakob droht die Abschiebung. "Ich glaube derzeit im falschen Film zu sein", erzählt die Publizistik-Studentin der "Presse". "Was ist denn das für eine Demokratie, wo man Angst haben muss, dass der Ehemann plötzlich verhaftet und aus dem Land gewiesen wird?" Er selbst will öffentlich gar nichts sagen. Er hat Angst, die Situation könnte sich dadurch noch verschlimmern.

Julia und Jakob lernten sich vor einem Jahr beim Fortgehen kennen. Seither sind sie ein Paar. Der Unterschied zu anderen Ehepaaren: Jakob stammt ursprünglich aus Gambia. 2003 kam er nach Österreich. Sein Asylantrag wurde innerhalb eines Tages abgelehnt. Er habe sich beim Interview in Widersprüche verwickelt, hieß es. Er ging in Berufung. Seither geschah nichts mehr - bis vergangenen Freitag. Um 21.45 Uhr stand plötzlich die Polizei vor der Wohnung. Das Wochenende verbrachte er in Schubhaft. Am Montag wurde er wieder frei gelassen. Seither lebt er in Ungewissheit. "Wir können keine Zukunft planen. Wir wissen doch nicht einmal, ob mein Mann im Land bleiben darf", so Julia.

Doch wieso droht nun eigentlich die Abschiebung? Jakob beantragte nach der Hochzeit eine Niederlassungsbewilligung. Dazu muss man aber den Asylantrag beziehungsweise die Berufung zurückziehen.

"Eine Niederlassungsbewilligung muss aus dem Ausland gestellt werden", erklärt Johannes Rauch, Sprecher von Innenministerin Liese Prokop. "Wieso sollte hier jemand bevorzugt werden?" Und: "Jemand, der den Asylantrag zurückzieht, ist offenbar nicht mehr verfolgt und kann auch ins Land zurückreisen", sagt Rauch. Eine Ehe habe mit dem Ganzen nichts zu tun.

Seit dem Inkrafttreten des neuen Asylgesetzes im Jänner 2006 werden nun alle neu geschlossenen gemischten Ehen überprüft. All jenen, die noch keine Niederlassungsbewilligung bekommen haben, droht die Abschiebung. Jakob und Julia sind bei weitem nicht die einzigen Betroffenen.

Auch Angela Magenheimers Mann muss möglicherweise zurück nach Nigeria. Magenheimer gründete daher Anfang Februar die Initiative "Ehe ohne Grenzen". Am ersten Treffen nahmen 15 Leute teil. Beim zweiten Treffen waren es bereits über 80. *Namen von der Redaktion geändert.


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