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Ehrung für Wehrmachtsdeserteur Richard Wadani

Am 4.9.2007 fand im Wiener Rathaus eine Ehrung für Richard Wadani statt. Anlass war die Verleihung des Ehrenzeichens für Verdienste um die Befreiung Österreichs durch Bundespräsident Fischer im Juni.

Organisiert wurde die Ehrung vom Grünen Klub im Wiener Rathaus, im Besonderen von Nikolaus Kunrath, die Begrüßung erfolgte durch Stadtrat Ellensohn. Für die Laudatio konnte
Univ. Prof. Walter Manoschek gewonnen werden, der vor einigen Jahren als Herausgeber eines umfangreichen Standardwerks über die Opfer der NS-Militärjustiz fungierte. Und die Schlussansprache hielt selbstverständlich Richard Wadani selbst.

62 Jahre nach Kriegsende werde mit Richard Wadani erstmals ein Deserteur in Österreich offiziell geehrt, befand David Ellensohn zu Beginn der Feier. Weiters verwies er u.a. auf die wichtige Rolle Wadanis bei der Aberkennung des Ehrengrabs des Nazifliegers Nowotny, gegen die sich die FPÖ vehement und erfolglos wehrte, und erinnerte an die Deserteursbeschimpfungen von Seiten der blauorangen Regierungspartei im Jahr 2005 (Justizministerin Miklautsch: Deserteure sind feige oder kriminell; Bundesrat Kampl: Deserteure als Kameradenmörder, brutale Verfolgung von Nazis nach dem Krieg).

Dem Stereotyp vom feigen Wehrmachtsdeserteur trat v.a. auch Laudator Walter Manoschek entgegen. Weit mehr als 1000 österreichische Deserteure wurden hingerichtet und Richard Wadani riskierte nicht nur bei seinem mißlungenen und bei seinem erfolgreichen Desertionsversuch sein Leben, sondern auch, als er als Wehrmachtskraftfahrer Partinsanen mit Treibstoff versorgte und durch die Verteilung von Lebensmitteln an Zivilisten in den besetzten Gebieten. Dies sei dann wohl die Kriegsgeschichte eines "Feiglings", fügte Manoschek an. Er zitierte auch FPÖ-Sozialminister Haupt, der meinte, Haftzeiten wegen Desertion könnten nicht als Pensionsersatzzeiten gelten, da die Desertion im Zeitpunkt der
Begehung auch nach österr. Recht strafbar war oder gewesen wäre. - Wer das Glück hatte, als Deserteur nicht hingerichtet zu werden, sondern Konzentrationslager o.ä. zu überleben, wurde in der 2.Republik nochmals bestraft, obwohl die Desertion aus einer fremden Armee erfolgte, so Manoschek. (Mitglieder der Waffen-SS hatten keine Schwierigkeiten mit der Anrechung ihrer Nazi"arbeits"phasen.)

Richard Wadani legte besonderen Wert darauf, dass es bei der Ehrung nicht um (s)eine Person gehe, sondern um alle Opfer der NS-Militärjustiz- Kriegsdienstverweigerer, Deserteure, Selbstverstümmler, Saboteure. Im Parlament sei man gegen die schwarzblaue Reaktion angerannt, im Wiener
Gemeinderat habe auch Angst vor der Kronenzeitung geherrscht, charakterisierte Wadani die schwierigen Bemühungen der letzten Jahre.
Dann stellte er nochmals die Sachverhalte klar: Wenn jemand sagt, wir sind Verräter, dann steht er auf der Seite des Naziregimes. Wer für das Naziregime bewusst gekämpft hat, hat gegen Österreich gekämpft. Außerdem formulierte Richard Wadani aktuelle Forderungen:
Für Wehrmachtsdeserteure müsse eine ähnliche Kampagne gestartet werden wie vor einiger Zeit von der blauorangen Sozialministerin Haubner für die "Trümmerfrauen" (Inserate in 51 Zeitungen, 6 große Veranstaltungen) - Wehrmachtsdeserteure meldet euch und meldet eure Ansprüche an! Es solle
finanziell ermöglicht werden, dass eine in Deutschland erfolgreiche Ausstellung zum Thema in adaptierter Form nach Österreich kommen könne.

Österreich brauche ein Deserteursdenkmal (in Deutschland gibt es schon 30). Ende Oktober oder Anfang November wird wieder die jährliche Kundgebung bei der Hinrichtungsstätte in Kagran stattfinden. Wadani äußerte den Wunsch, dass es dabei heuer zu einer kraftvolleren Demonstration als bisher kommen möge.


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