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Einsatz für Flüchtlinge bis zum zivilen Ungehorsam

Als Christen für Flüchtlinge eintreten - Wortlaut der Schlusserklärung zur "Fachtagung Weltkirche", die vom 23. bis 24. Juli in Stift Lambach stattfand

Der Einsatz kirchlicher Organisationen für Flüchtlinge kann bis zur Verpflichtung zu zivilem Ungehorsam gegenüber geltenden Gesetzen reichen, die im Widerspruch zu den Grundsätzen der Demokratie und der Menschenrechte stehen.

Das halten Ordensgemeinschaften und kirchliche Einrichtungen, die im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit und der Mission tätig sind, in ihrer Schlusserklärung zur diesjährigen "Fachtagung Weltkirche" fest, die vom 23. bis 24. Juli im Stift Lambach stattfand.

Im Folgenden der Wortlaut der Abschlusserklärung:

Die vielfältigen Dimensionen des Dramas Flucht machten die etwa 100 TeilnehmerInnen der "Fachtagung Weltkirche" betroffen. Dazu eingeladen haben die Ordensgemeinschaften Österreichs am 23. und 24. Juli 2010 in das Stift Lambach.

Flucht ist ein Schrei nach Freiheit, Friede, Gerechtigkeit und Menschenwürde. Jeder Flüchtling ist ein Botschafter der Ungerechtigkeit. Flüchtlinge stoßen an den Außengrenzen der Europäischen Union auf brutale Abwehr durch Sicherheitskräfte und innerhalb der EU auf Kriminalisierung und menschenverachtende Gesetze.

Weil wir als Christinnen und Christen in jedem Menschen das Antlitz Gottes sehen, verpflichten wir uns,

* unseren Raum Kirche zu nutzen, um persönliche Begegnung mit Flüchtlingen zu ermöglichen, um Bewusstsein für Strukturen und Situationen des Unrechts zu schaffen und um gemeinsam zu beten;

* uns einem vereinfachenden Mediendiskurs, der Menschen auf der Flucht kriminalisiert und stigmatisiert, in unseren Gemeinschaften und in der Öffentlichkeit zu widersetzen;

* Flüchtlingen beizustehen und mit anderen Organisationen zu ihrer Hilfe zusammenzuarbeiten;

* unsere Mitverantwortung für die Ursachen und Auslöser der Flüchtlingsbewegung in den Herkunftsländern zu übernehmen;

* uns Widersprüchlichkeiten in unseren Gesetzen zu Grundsätzen der Demokratie, zu Menschenrechten und zu unserem christlichen Menschenbild bewusst zu machen und sie aufzuzeigen, bis hin zu zivilem Ungehorsam solchen Gesetzen gegenüber;

* gegen jegliche Instrumentalisierung von Religion für wirtschaftliche und politische Interessen aufzutreten;

* uns für Religionsfreiheit einzusetzen und für Verfolgte einzutreten.

Deshalb fordern wir

* die Rücknahme der Strategie "Festung Europa" gegenüber Migrantinnen und Migranten; d.h. die einseitige Behandlung von Flüchtlingsfragen unter dem Aspekt der Sicherheit und Kriminalität muss beendet werden;

* die parlamentarische Kontrolle von "Frontex" und anderen Maßnahmen zur Sicherung der EU-Außengrenze;

* die Übernahme von Verantwortung für die Ursachen und Auslöser, die Menschen in die Flucht treiben (wie zum Beispiel unser Wirtschaftssystem und der daraus resultierende Klimawandel);

* eine völkerrechtliche Regelung für den Umgang mit Klima-Flüchtlingen;

* klare, verständliche und die Grundrechte sichernde Formulierungen und Verfahrensstandards in den Asyl- und Fremdengesetzen.


Wir leben von der Hoffnung

Weil auf Unrecht aufgebaute Systeme keine Zukunft haben, setzen wir uns für eine neue Gesellschaftsordnung ein, die allen Menschen Gerechtigkeit und Menschenwürde garantiert und auf die Hoffnung auf ein Leben in Fülle gründet.


Für die Ordensgemeinschaften Österreichs:
Die Vereinigung der Frauenorden Österreichs & die Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs

Weitere Links zum Text:

Dokumentation der Tagung:
http://www.fachtagung-weltkirche.at/index.php?id=656


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