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Viel Besser als Lotto

Preis

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Zunächst einmal ist zu sagen, daß wir uns ganz einfach freuen. Sehr, sehr freuen. Aus mehreren Gründen. Zum einen ist es uns möglich, die verlorenen Subventionen vom letzen Jahr auszugleichen. Wir haben wieder Geld für die Weiterarbeit. Dies ist der eine Grund.

Zum anderen beeindruckte uns bereits der Ausschreibungstext. Der UNHCR - Preis für Flüchtlingsarbeit wird jährlich vergeben. Dieses Jahr wurde der Preis explizit für die Arbeit mit illegalisierten Schutzbedürftigen ausgeschrieben.
Dies ist bemerkenswert, denn damit wird das Thema "illegaler Aufenthalt " in einen völlig neuen Kontext gestellt. Damit wird öffentlich anerkannt, was im Kreis der MigrantInnen und Flüchtlingsarbeit selbstverständlich ist: daß illegalisierte Menschen in großer Zahl schutzbedürftig sind, in dem Sinn, daß sie den Schutz ihres Heimatlandes verloren haben und keine Alternative dazu finden konnten.
Damit wird ein anderer Kontext als die übliche Kriminalisierung hergestellt. Wir sind insofern nicht nur glücklich über unseren Riesenscheck, sondern auch positiv überrascht über den Schritt das Thema der illegalen Schutzbedürftigen in dieser positiven Weise aufzugreifen.


Apropos überrascht:
Es ist neu, für unsere Tätigkeit ausgezeichnet zu werden. Der Status der KlientInnen – und unsre KlientInnen sind nun eben zum Großteil Illegalisierte – färbt ab auf den Status der BeraterInnen (und auf die Höhe der Subventionen)
Jetzt sind wir Preisträger. Normalerweise sind wir "verfahrensverzögernd" oder ähnliches. Neu ist also die Wertschätzung unserer Arbeit mit Illegalisierten. Neu ist aber auch, daß wir als Verein mit einem eindeutig antimilitaristischen Namen preiswürdig sind. Ein Name der Kritik und Ungehorsam, eine Weigerung, dem Befehl zum Töten zu folgen beinhaltet, ist häufig unbequem – am Telefon, aber auch bei der Vereinsgründung.
An dieser Stelle in paar Worte zu unseren Klientinnen und damit zu unserer Arbeit: Der Name Deserteurs – und Flüchtlingsberatung verwirrt manchmal, nämlich hinsichtlich der Frage, ob mit Deserteursberatung nicht vielleicht auch Zivildiener, Totalverweigerer oder wer immer gemeint sind. Nein. Gemeint sind nach Österreich geflohene Wehrdienstverweigerer und deren Familien. Die ersten kamen Ende 1991 und waren Verweigerer des Krieges jugoslawisch–kroatischen und später des jugoslawisch –bosnischen Krieges. Sie haben sich heute in Österreich großteils eine neue Existenz aufgebaut und viele leben nun schon sechs bis sieben Jahre Österreich.
Es sind weiters Kosovo – Albaner, die - schon ab 1991 - vor der Einberufung zur jugoslawischen Armee geflohen sind. Die Familien dieser Flüchtlinge fliehen nun vor dem offen ausgebrochenen Konflikt.
Es sind weiters kurdische Verweigerer der irakischen und türkischen Armee. In allen diesen Fällen geht es um die Ablehnung, gegen die eigene Volksgruppe gerichteten Gewaltakte zu unterstützen.
Dies ist kein anerkannter Fluchtgrund. Im Zentrum der ablehnenden Bescheide steht , daß die Asylwerber staatliche Gesetze nicht befolgt haben und das der Heimatstaat ein Recht habe, sie dafür zu bestrafen. Eine solche, "auch schwere" Strafe sei nicht als Verfolgungshandlung zu werten.
Deserteure sind schon lange nicht mehr die einzige Zielgruppe. Hinzu kommen die Familien und Freunde der ersten Deserteure, die Kriegsflüchtlinge aus dem Krieg in Bosnien und nun im Kosovo.


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