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Spender*innen-Info 2/2014: Vorhang auf

oder: Warum wir nicht von der Rolle sind


Gute Geschichten…


Was waren die Zeiten doch einfach, als wenige Zutaten für ein erfolgreiches Theaterstück ausreichten. Ein simpler Plot: Mann und schwangere Frau suchen verzweifelt nach einer Unterkunft für die Entbindung. Schlichte Requisiten: ein Stall, mit Stroh ausstaffiert und mit Ochs und Esel garniert. Sparsame Spezialeffekte: drei Fremde mit Geschenken, einem geschweiften Stern folgend. Und das Happy End: das Kind kommt zur Welt und bringt die Rettung für die Menschheit. Die Geschichte funktionierte und wird seit 2000 Jahren aufgeführt.


Große Ambitionen…

Dass es heutzutage mehr braucht, um das Publikum in den Saal zu locken und das Lob des Boulevards zu erheischen, wissen alle – auch die österreichische Asylpolitik. Seit Jahrzenten wird deshalb geschickt am rechtlichen Drehbuch gefeilt und dieses in einem Tempo überarbeitet, dass keine Langeweile aufkommen kann. Es werden raffinierte Bösewichte konstruiert, die illegal unser Land überschwemmen und unseren hart verdienten Wohlstand bedrohen. Vor dieser Bedrohung kann uns lediglich die effiziente, sparsame und wirksame Verwaltung retten.
Doch der letzte Akt dieses fremdenrechtlichen Trauerspiels lässt sogar abgebrühte Kritiker_innen dieses Genres nach Luft schnappen. Die Umgestaltung des österreichischen Fremdenwesens seit 1. Jänner 2014 zeigt eindrucksvoll, dass hier niemand anderes als Ochs und Esel Regie führen können.


Zauberhafte Illusionen…

Dabei war das Marketing ausgezeichnet. Über Jahre hinweg wurde der Hype aufgebaut und das neue System als effizient, schnell und klar angepriesen. Und in der Reihe “Verwaltungsgerichtsbarkeit neu” sollte das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl das Glanzstück darstellen.
Und tatsächlich wurde das Bundesamt zum Blockbuster. Nur Tretgitter konnten die Warteschlangen davor in den Griff bekommen. Die Phantasie der Zuschauer_innen wurde dadurch angeregt, dass sie sich Requisiten wie Räumlichkeiten, Ausstattung oder ein funktionierendes Datensystem vorstellen mussten. Die Darsteller_innen übten sich meisterhaft in der Kunst der Improvisation, da ihnen niemand die Skripte mit den rechtlichen Bestimmungen zur Verfügung gestellt hatte. Eine Dramaturgie, die eine komplette Untätigkeit des österreichischen Asylwesens mit dem Höhepunkt der Syrien-Krise vereint, sucht bislang ihresgleichen. Und die asylrechtliche Variante der weihnachtlichen Herbergssuche lässt sogar Josef und Maria kopfschüttelnd in der Krippe zusammenrücken, da dort mehr Platz zu sein scheint als in einem österreichischen Bundesland. Menschen hingegen, die aufgrund von Krieg und Verfolgung ihren Herkunftsstaat verlassen haben, wurden einmal mehr zu Statist_innen degradiert. Ohne Sprechrolle warten sie die unzähligen Akte bis zum Ende des Stücks ab. Ihre Gage von rund 300 € pro Monat, von der auch Kost und Logie aufgebracht werden muss, bietet dabei kaum die Möglichkeit, menschenwürdig zu leben. Und auf den Brettern, die die Welt deuten, wird ihnen erklärt, dass ihr Fluchtgründe unplausibel, ihre Angaben unglaubwürdig und ihre Herkunftsstaaten völlig sicher seien.


Liebenswürdige Antagonist*innen…

Auch wir spielen in dieser unfreiwilligen Komö die unsere Rolle. Als Deserteurs- und Flüchtlingsberatung bieten wir seit mehr als 20 Jahren Beratung, Vertretung und Unterstützung für Flüchtlinge an. Wir haben unsere Texte gelernt und improvisieren, wo es sein muss. Unser Drehbuch schreiben wir selbst. Unsere Vorstellungen sind kostenlos. Unsere staatliche Gage ist nicht vorhanden.
Deshalb benötigen wir Ihre Hilfe. Werfen Sie ein paar Münzen in unseren Gitarrenkoffer. Stehen Sie selbst im Rahmen einer Benefizveranstaltung für uns auf der Bühne. Gewähren Sie uns Subventionen in Form von Daueraufträgen. Lassen Sie Ihrer Vorstellungskraft freien Lauf. Von uns werden Sie dafür sicher Standing Ovations erhalten.


Mit Eurer Spende leistet Ihr einen wesentlichen Beitrag zum Fortbestehen der Beratungsstelle.

Daueraufträge ermöglichen uns eine bessere Kalkulation unserer Ausgaben:
IBAN: AT63 1400 0010 1081 3332
BIC: BAWAATWW


Ein riesengroßes Dankeschön allen unseren Spender*innen und Unterstützer*innen.

Wir wünschen Euch schöne Weihnachtsferien und ein gutes Neues Jahr 2015!



Wer von uns Aussendungen 1-2 mal jährlich auch per Post bekommen möchte, teilt uns einfach die Postadresse mit!


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