Zur Navigation springen Zum Inhalt springen
 

<< voriger Artikel dieser Rubrik nächster Artikel dieser Rubrik >>

Unterkunftslos

Aktueller Kurzbericht aus der Deserteurs- und Flüchlingsberatung im April 2002

Herr N. ist wiedergekommen mit seinen Plastiksackerln. Er war auch gestern schon da, und bat darum, ihm bei der Suche nach einer Unterkunft zu helfen. Wir haben ihn nach einigen Telefonaten zum Bahnhofssozialdienst geschickt, doch als er dort ankam, hieß es " Es ist schon alles voll". Also mußte er wieder in einem Park schlafen- seine wenigen Habseligkeiten trägt er sowieso immer bei sich.
Aber auch heute haben wir keine bessere Nachricht, außer "versuchs nochmal". Doch Herr N. lächelt nur müde, er hat es satt jeden Tag in Wien herumzuziehen auf der Suche nach einem Platz für die kommende Nacht- nie irgendwo zur Ruhe kommen können, sich nirgendwo "zu Hause" fühlen können.

Während unsere KlientInnen aus dem ehemaligen Jugoslawien eher über ein Netzwerk in Wien verfügen, und so oft bei Freunden oder Verwandten unterkommen können, ist die Lage für Asylsuchende aus Afrika weitaus dramatischer: Neben dem alltäglichen
Rassismus und der ständigen Angst vor willkürlichen Polizeikontrollen haben sie sogut wie keine Möglichkeit eine Arbeit oder Unterkunft zu finden. Die bestehenden Obdachlosenunterkünfte nehmen meist keine Afrikaner auf, und einige private Vereine schlagen schamlos Kapital aus der Not der Flüchtlinge und verlangen für eine schmutzige Matratze im Massenquartier 150 Euro und mehr im Monat.

Und wo bleibt die Verantwortung des österreichischen Staates? Die meisten unserer KlientInnen sind nie in den "Genuß" der Bundesbetreuung gekommen. Oder sie verloren gleich nach ihrem 18. Geburtstag den Schlafplatz im Wohnheim. Die bestehenden Kapazitäten sind restlos ausgeschöpft. Die karitativen und privaten Flüchtlingsvereine völlig überlastet.
Und so macht sich Herr N. nach einem Kaffee und ein paar Cent zum Telefonieren wieder auf die frustrierende Suche nach einem Platz zum Schlafen- zumindest für diese Nacht.

Dieser Text wurde von Anja Gstöttenbauer, Mitarbeiterin in der "Desi", im April 2002 verfaßt.


printer friendly version printer friendly version